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„Die Mühen des Aufstiegs“: Fallrekonstruktionen zur familialen und bildungsbiografischen Dynamik „erwartungswidriger“ Schulkarrieren

Finanziert durch: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

 

Laufzeit: 4 Jahre (01.04.2011-31.03.2015) 

 

Projektleitung: Prof. Dr. Andreas Wernet, Dr. Mirja Silkenbeumer

 

Wissenschaftliche Mitarbeiter: Julia Labede M.A., Dr. Sven Thiersch

 

Wissenschaftliche Hilfskräfte: Christian Gakenholz (2011-2013), Katharina Schindler (2011-2013), Imke Kollmer (2011-2014) und Kai Schade

 

Projektbeschreibung:

Spätestens seit Bourdieu wird Bildungserfolg als „Erbe“ im Sinne der Reproduktion des Herkunftsmilieus verstanden. Aber wie kommt es zu „erwartungswidrigen“ Schulkarrieren? Welche Prozesse und Dynamiken tragen zur Genese des schulischen Erfolgs bei, wenn dieser sich nicht als soziale Reproduktion, sondern als Transformation vollzieht?

Diese Frage steht im Zentrum unseres Forschungsvorhabens. Wir gehen dabei davon aus, dass „erwartungswidrige“ bildungsbiografische Verläufe sich auf der Grundlage der Eigenlogik familialer Interaktion bilden. Ziel des Projekts ist es, die den Bildungsaufstieg ermöglichenden familialen Dynamiken durch Fallrekonstruktionen empirisch zu untersuchen.

Wir fokussieren dabei auf eine für den schulischen Aufstieg entscheidende, bislang wenig erforschte Übergangssituation: den Schulwechsel von der Haupt- oder Realschule auf das Gymnasium bzw. in die gymnasiale Oberstufe. Datengrundlage sind Familiengespräche in der Phase der Entscheidungsfindung vor Abschluss der 10. Klasse und bildungsbiografische Interviews mit den beteiligten Schülern/innen nach dem Schulwechsel. Kontrastiv zu den Schulaufstiegen aus bildungsfernen Milieus werden ausgewählte Fälle „erwartungsgemäßer“ Schulkarrieren einbezogen. Die Fallrekonstruktionen stützen sich auf Genogrammanalysen („Bildungsgenogramme“) und objektiv hermeneutische Sequenzanalysen der Familiengespräche und der bildungsbiografischen Interviews.

Wir streben eine material gesättigte und typologisch ausdifferenzierte Rekonstruktion der bildungsbiografischen Selbstentwürfe, der diesen zugrunde liegenden familialen Binnendynamiken und der damit korrespondierenden Übergangsmuster an. Das Projekt leistet einen Beitrag zum Verständnis der spezifischen Spannungen, die mit „erwartungswidrigen“ Bildungsaufstiegen verbunden sind.

 

Publikationen:

Silkenbeumer, M./Wernet, A. (2012): Die Mühen des Aufstiegs. Von der Realschule zum   Gymnasium: Eine Fallrekonstruktion zur subjektiven Bewältigung des Schulformwechsels. Pädagogische Fallanthologie, Bd. 9. Opladen u.a.

Wernet, A. (2012): Die Objektive Hermeneutik als Methode der Erforschung von Bildungsprozessen. In: Schittenhelm, K. (Hrsg.): Qualitative Bildungs- und Arbeitsmarktforschung. Theoretische Grundlagen und Methoden. Wiesbaden, S. 183-202

Labede, J./Silkenbeumer, M. (2014): Zur Bedeutung familialer Geschlechter- und Generationsbeziehung für die Konstituierung des Bildungsselbst. In: Helsper, W./Kramer, R.-T./Thiersch, S. (Hrsg.): Schülerhabitus. Theoretische und empirische Analysen zum Bourdieuschen Theorem der kulturellen Passung. Wiesbaden, S. 225-249

Labede, J./Thiersch, S. (2014): Zur familialen Genese schulischer Bildungsentscheidungen. Sozialisationstheoretische Überlegungen und empirische Analysen jenseits rationaler Entscheidungsmodelle. In: Miethe, I./Ecarius, J./Tervooren, A. (Hrsg.): Bildungsentscheidungen im Lebenslauf. Perspektiven qualitativer Forschung. Opladen/Berlin/Toronto, S. 65-84